Nichts besonderes [Hugin && Alyria]

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Beitragvon Hugin » Sa 28. Mai 2016, 12:37

Shirga beherbergte wohl eine der größten Bibliotheken. Wenn nicht gar die größte. Über Etwagen und Räumlichkeiten erstreckten sich die Buchreihen. Leitern, die Höher waren als der größte Mensch sollten den Zugriff erleichtern.
An einigen, recht überschaubaren Plätzen gab es Tische und Stühle in denen die Studenten lesen und arbeiten konnten. Und obwohl die Bibliothek so viel Platz in Anspruch nahm, wahr es wohl einer der leersten Räumlichkeiten in der Schule. Nur wenige Streber oder verzweifelte verirrten sich hier hin.

Vorsichtig blickte das Seelentor hervor und sah sich um. Heute war es besonders leer. Draußen lachte die Sonne und das Wetter war angenehm warm. Viele der angehenden Sidhe's dachten gar nicht daran zu lernen oder zu üben. Sie wollten den Moment genießen, die Welt entdecken oder mit ihren Partnern etwas unternehmen. Noch einmal blinzelte das graue Auge bevor er sich mit flinken, jedoch leisen Schritten auf machte in die tiefen der Bibliothek.
Hier fühlte sich das Grauauge sicher. Vor den Blicken der anderen geschützt und von den Worten der Fremden verstanden. Obwohl sie nicht zu ihm sprachen, hatten sie eine Menge zu sagen. Und jeden Bissen zog der schwarze Lausebub in sich auf. Neben dem üben seiner Kletterkünste (und dem heimlichen Ausüben innerhalb Shirga selbst), war es eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Er lernte hier eine Menge von Dingen, die er nie kennen gelernt hätte. Die Bücher erzählten ihm von Sachen, die er selbst kaum glaubte. Aber was sollte auch ein Harlunke wie er schon wissen? Die Welt war dreckig. Ungerecht, gemein und hart. Doch dass man ihr mehr Sinn und Verstand beimessen konnte, war ihm nie bewusst geworden.
Andächtig glitten die Finger über die Buchrücken, während er sich in eine Ecke zurück zog und unterwegs ein Buch aus dem Regal griff. Hugin musste nicht einmal auf den Einband blicken. Stück für Stück ist er jedes Buch durchgegangen und wusste genau wo er stehen geblieben war. 'Von Stürmen und anderen Winden' lauteten die dicken Letter auf dem Einband. Respektvoll öffnete er es und steckte die Nase hinein, blätterte einige Seiten vor und konnte sich ein freudiges Schmunzeln nicht verkneifen. Es handelte sich um etwas was man Luftbewegungen und Veränderungen der Dichte nannte. Es erklärte wie die Luft agierte und Stürme entstanden. Auch wie die Wetterverhältnisse zwischen Berg, Tal und See sich unterschieden. Ganz sein Interessenelement.

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Beitragvon Reika » So 5. Jun 2016, 03:57

Bücherregale so hoch wie das Falkengebirge. Darin Berge von altertümlichen Schinken, die niemals irgendjemand freiwillig lesen würde. Die Bücher waren eigentlich ein guter Vergleich zum Sidhe-Orden: Beide waren alt, steif wie Bretter oder jemand mit Stock im Hintern, verstaubt und vollkommen unveränderbar in ihrem Inhalt. Es gab jeweils nur eine einzige unveränderliche Wahrheit und nichts und niemand durfte oder konnte dagegen verstoßen.
Also ganz genau wie in der Wirklichkeit.

Geräuschlos zog Alyria die Tür hinter sich zu. Und wie das eben so war, verirrte sich auch kaum jemand freiwillig hier rein. Lieber hüpften sie alle draußen herum wie überdrehte Kleinkinder und versprühten dabei so viel Lust und Lebensfreude, dass Alyria davon fast schlecht wurde. Idioten, alle miteinander. Zwangsrekrutierung und Knechtschaft bei irgendeiner verklemmten, altertümlichen Vereinigung von chronischen Weltverbesserern und die fanden das gut und freuten sich darüber. War es verwerflich dass man da als normal denkender Mensch allmählich dem Wahnsinn verfiel?

Hier in der Bibliothek war es besser. Stille. Einsamkeit. Nicht dass Alyria je auf die Idee gekommen wäre, irgendeines dieser Bücher zu lesen. Eigentlich hatte sie ja nichts gegen Bücher, aber die hier gehörten zu Shirga und damit zum Sidhe-Orden, folglich waren sie etwas dass sie weder in diesem noch im nächsten Leben freiwillig anfassen würde. Nein, da hier fast nie jemand reinkam bot dieser Ort andere Möglichkeiten. Hier konnte Alyria ganz in Ruhe Fluchtpläne schmieden und Sachen verstecken die ihr Unterwegs weiterhelfen würden. Einen kleinen Vorrat hatte sie hier schon angelegt, versteckt an Stellen die keiner durchsuchen würde.
Irgendwann würde sie schon aus diesem verdammten Orden raus kommen.

Langsam und andächtig machte sich Alyria auf den Weg tiefer in die Bibliothek, als wollte sie ja nicht die Stille durchbrechen die auf diesen Hallen lag. Zielgenau steuerte sie in die Richtung ihres Geheimverstecks, doch kaum spähte sie in die fragliche Ecke versteinerte sie sogleich in der Bewegung. Gesellschaft. Ihr Blick verfinsterte sich und sie starrte ihn an. Na klasse, irgendeiner von den Halbstarken. Der sah zwar ein bisschen zu verwahrlost aus um als klassischer Streber durchzugehen, aber wer außer einem Streber schaute sich freiwillig solche Schinken an?

Na toll. Solange der da hockte konnte sie nicht zu ihren versteckten Sachen gelangen. Bestimmt würde er nämlich gleich losrennen und - ganz der gute und folgsam gehorsame Sidhe – direkt zu den Lehrern und petzen.
Alyria grollte leise wie ein wütender Suavis und feuerte einen weiteren zornigen Blick in Richtung Streber. Wieder ein verschwendeter Tag. Und das nur wegen irgend so einem daher gelaufenen Bengel, der unbedingt irgendwelche nutzlosen Bücher durchackern musste.
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Beitragvon Hugin » So 12. Jun 2016, 15:48

Mit der Nase hatte er sich tief in das Buch gegraben. Im Schneidersitz saß der Junge dort, den Rücken krumm wie einen Buckel gesetzt und das Buch so nah es ging an das Gesicht gedrückt. Zeile für Zeile überflog er die Seiten und blätterte in ihnen. Die wenigen Geräusche der Bibliothek verschwommen zu einem stetigen Summen im Hintergrund der Unbedeutsamkeit. Buchstaben tanzten, bis sie Bilder bildeten in seinem Kopf. Das Erzählte illustrierte und ihm leichter darlegte.
Wolken stauten sich vor bergigen Landschaften, bevor sie in das Tal hinunter glitten mit dem Sturm der Zeit inne sich?
Über dieses Wissen riss er die Augenbraue hinauf.

Ein leises grollen stieß gegen sein Bewusstsein. Zunächst tat er es für eine Illusion ab, dem Bild welches er gerade hatte. Allerdings bohrte sich etwas in ihn, was er schon zuvor kurz bemerkt hatte. Nur ganz knapp am Rande. Nun war das Gefühl jedoch stärker als zuvor und füllte den Jungen mit Unbehagen. Einen Hauch von etwas bekannten war in diesem Unbehagen verborgen. Es fühlte sich an, als würde jemand ihn anstarren. Das Grollen, welches Hugin zunächst seinem Kopf zugeschoben hatte, schien auch nicht zu enden wollen.
Die Augenbrauen drängten sich an die Augen. Diese eine Zeile wollte er noch lesen. Am liebsten das ganze Buch weiter. Jedoch nervte diese Präsenz ungemein. So wanderte der Blick des grauen Auges hinauf, über den Buchrand, an den Regalen entlang, hin zu einem Mädchen. Es grollte nicht nur dämlicher als ein Suavis, es stand dort auch noch mindestens so dämlich wie eine schlechte Kopie von einem Suavis.

Hugins graues Auge verdunkelte sich, während die schwarzen Haare die andere Gesichtshälfte und damit das zweite Auge geschickt verdeckten. Einen langen Moment starrte er das Mädchen an, bevor die unbeeindruckten Mundwinkel anfingen zu zuckten. Ein schiefes Lächeln entglitt ihm, begleitet von einem spöttischen Zucken als würde er ein lautes ausbrechen an Lachen zu verhindern versuchen. “Weisst du, wie dämlich du aussiehst?“ entglitten ihm die direkten Worte und rollten sanft, allerdings unaufhaltsam auf die Fremde zu. “Ein ziemlich kläglicher Versuch jemandem zu imponieren wollen. Jeder Suavis würde sich abwenden mit dem Gedanken, dass du ihrer Mühen nicht wert bist.“ Nun zogen sich die Mundwinkel zu einem süffisantem Lächeln hinauf.

Sein Blick wanderte jedoch wieder auf das Buch und er las weiter. “Wenn du nichts wichtiges zu sagen hast, dann verschwinde.“ Und lass mich weiter lesen, dachte er bei sich. Was wollte so eine wie sie denn schon von ihm? Sie sah nicht wie ein Laufbursche für jemanden aus und so lange wie sie ihn angestarrt hatte, war dem auch rein theoretisch gar nicht möglich.
Sie sollte sich einfach herum drehen und verschwinden. Er hasste es angestarrt zu werden. Wären die Bücher hier nicht so kostbar, würde er sie nach ihr werfen damit sie verschwand.

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Beitragvon Reika » Sa 18. Jun 2016, 19:28

Leicht genervt starrte Alyria zu dem Aushilfskomiker zurück. Wie witzig er doch war. Ungefähr so witzig wie ein brennendes Stück Metall im Hintern. Ob ihm das eigentlich auffiel? „Sagt der Gossenjunge mit der Mädchenfrisur“, meinte Alyria trocken und zuckte die Schultern. Sie verzog keine Mine und der Blick aus ihren dunkelbraunen Augen war so unversöhnlich wie der einer Schlange.
Wann hatte dieser Halbaffe wohl das letzte Mal in den Spiegel geschaut? Wenn hier irgendwas lächerlich war, dann seine dämlich zusammengeschobene Grinsevisage in Kombination mit dem schwarzen Wischmopp über der einen Gesichtshälfte. Ja... Wischmopp traf es eigentlich ziemlich gut. „Ist es seit neustem verboten hier zu stehen?“ Sie hatte sich gegen die Kante eines Regals mit ach so unbezahlbar wertvollen Kaminanzündern gelehnt, starrte unverändert zu dem Jungen hinüber und machte mit ihrer Haltung deutlich, dass sie kein Interesse daran hatte zu verschwinden. Und schon gar nicht weil der kleine Wichtel es so haben wollte. Wär ja noch schöner wenn sie sogar von dem Befehle entgegennehmen sollte!
Sicher wäre es einfacher gewesen – und nervensparender für beide Parteien – einfach zu gehen und morgen wiederzukommen, wenn sie ungestört an ihrem Geheimvorrat herumwerkeln konnte. Doch hatte sich ihr sturer Dickschädel schon längst hoffnungslos in dem Vorhaben verrannt. Der Wischmoppwichtel störte. Punkt.
Der verdammte Laden war so riesig, wie konnte es eigentlich sein dass er ausgerechet da war wo sie auch hin wollte?
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Beitragvon Hugin » So 19. Jun 2016, 13:04

Doch sie verschwand nicht. Und die Zeilen lebten nicht mehr. So sehr Hugin es auch versuchte, er konnte sich nicht mehr auf das Buch konzentrieren. Zeile um Zeile las er. Wieder und wieder. Keine Seite blätterte er um, da er einfach in diesem Absatz hingen blieb wie eine Fliege in der Venusfalle. Oh wie sehr wünschte er sich ungerührt weiter lesen zu können. Jedoch blieb diese Präsenz. Dieses nervige Kind. Jene, die glaubt so groß zu sein und so einschüchternd indem sie sich über seine – wie sagte sie noch gleich? - Mädchenfrisur lustig machte.
Steinern starrte er weiter auf die Seite. Das Lächeln war lange verschwunden, wich aber nicht einer gereizten Mimik sondern mehr der Gleichgültigkeit. Er kannte Strassenjungen die bessere Beleidigungen drauf hatten als sie. Männer die härter die Seele aufschlitzten als ihr fester Blick ihn auch nur wirklich berührte.
Sie war nicht vom gleichen Schlag wie er. Die Nervensäge hatte nicht kennen gelernt was er kannte und ebenso wenig wusste er was sie kannte. Aber interessierte es ihn gerade? Nicht wirklich. Die klaffende Lücke zwischen ihnen bliebe eben.

>Ist es seit neustem verboten hier zu stehen?<, fragte sie nun.
„War es denn je erlaubt?“, konterte er ohne auf zu blicken. Die Finger glitten über die Seite, fast schon vorsichtig, als würden sie gleich unter seiner Berührung vergehen. Einen Moment hielt er inne, bevor die Finger zu den Worten glitten die ihm so schwer vielen sich einzuprägen. Mit der Zunge über die Lippen leckend meinte er dann: „Aber bleib nur, vielleicht lernst du noch etwas vom starren. Oder das Stroh verbrennt durch die Effizienz deiner Bemühungen.“
Noch einmal las er es genaustens, bevor er endlich die Seite umblättern konnte. Es hat gefühlt Minuten gedauert bis er den Inhalt weiter verstanden hatte. Mühen Alyria anzublicken, machte er sich dabei nicht.

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Beitragvon Reika » Sa 2. Jul 2016, 11:32

Genervt schüttelte Alyria den Kopf, während der Junge krampfhaft versuchte ihre Anwesenheit auszublenden. Da brennt gleich noch was ganz anderes, Kleiner. Blöde Antworten waren eindeutig sein Spezialgebiet. Schlechte Witze auch. Aber er brachte sie auf eine Idee wie sie ihrem Unmut wenigstens ein klein wenig Luft machen konnte. Genau über ihm befand sich ein Fenster, welches das strahlende Licht des Nachmittags in die Bibliothek hereinließ. Ein paar dieser Strahlen fielen direkt auf die Nervensäge und das zugehörige Buch, und während der Junge so angestrengt auf den Inhalt der Seite starrte, griff Alyria mit ihrer Magie nach ein paar dieser Sonnenstrahlen und veränderte minimal ihren Eintrittswinkel.
Prompt stellte sich der Brennglaseffekt ein den sie haben wollte. Sie schob das ganze noch ein weiteres Mal mit Magie an und löste sich gleichzeitig von ihrem Posten am Bücherregal. Sie bog um die Ecke außer Sicht als hätte sie sich endlich geschlagen gegeben und der Aufforderung des Jungen Folge geleistet, doch genau in dem Augenblick als sie aus Hugins Blickfeld verließ, entfachte das gebündelte Licht auf der Buchseite eine Flamme.
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Beitragvon Hugin » Fr 22. Jul 2016, 19:27

Immer tiefer versank er wieder in die Worte. Malte die Bilder vor seinem Geiste und ließ das elementare Buch aufleben. Es gab kein Mädchen mehr, welches ihn nervte. Die Buchreihen, das Gemurmel in der Bibliothek und auch keine Person die die Bücher verwaltete. Kein Shirga oder andere Städte und Dörfer. Es gab nur das Naturschauspiel aus den Seiten.
So entging dem gewitzten Jungen einiges. Nicht nur, dass einige Sonnenstrahlen gefangen und manipuliert wurden, sondern auch dass das Mädchen endlich aus dem Gang verschwand.

Gin befand sich vor den aufbrausenden Gewitterfronten. Er glaubte die Elektrizität zu spüren, die Spannungen zu sehen wie sie sich entwickelten. Und die Hitze. Hitze die von einem Feuer ausging.
Feuer...?
Gin riss die Augen auf und starrte zunächst Fassungslos auf die Buchseite in welche sich ein Loch brannte. „Verdammte Kuhkacke!“, schrie er auf und zog ein gruseliges Echo gefangen in der Stille mit sich. Das Buch wurde laut zu geschlagen, bevor der Junge es wieder aufriss und auf die schwarzen Seiten blickte. Es war kein großer Schaden, aber groß genug um diverse Absätze unleserlich zu machen da es die Worte verschlang. An den Rändern glühten die Seiten woraufhin er es wieder zuschlug und Wutschnaubend aufsprang.

„Du Strohballen verseuchte Kuh!“, fluchte er noch einmal, während die Lippen vor Frustration und Abneigung gegenüber der Person zuckten. Schneller als gedacht erhob er sich dann endlich und eilte, das Buch in der rechten Hand, mit schnellen Schritten aus dem Gang.
Ohne Alyria zu bemerken schritt er weiter, drei Gänge und bog schließlich ab.


Hugin rauchte der Kopf. Er biss sich auf den Wangen herum und in seinem grauen Auge tobte der Sturm den er zuvor noch im Buch gefunden hatte. Das hatte dieses Miststück mit Absicht gemacht. Doch warum? Waren ihr seine Worte zu dämlich gewesen? Dann hätte sie ihn auch verprügeln können. Nein. Das wäre es nicht gewesen was sie wollte.
Sie hatte nicht gewollt, dass er blieb wo er war. Doch warum? Ihr ganzes Benehmen war von vorne rein auf Krawall gebürstet gewesen. Nicht wie das der Straßenkinder, die einen dann zusammen schlugen. Oder die Betrunkenen.. Nein.. Mehr wie ein Dieb der an sein Versteck wollte.
Seine finstere Miene hellte sich langsam auf. Eine Idee kam ihm währen er wieder zu einer Fensterreihe schritt und an der Wand zurück zu einer der Buchwänden die die Sackgasse säumte.

Er wollte nun wissen warum ein Buch hatte brennen müssen. Warum dieses schreckliche Mädchen so ein fieses Stück war. Nicht um seinetwillen. Um des Buches willen. Wäre er wirklich zur Aufsicht der Bibliothek gegangen hätte dies rein gar nichts gebracht. Er konnte sich eben nur auf sich selbst verlassen. Und somit würde nur er die Zerstörerin der Bücher zur Rechenschafft ziehen können.
Das Buch war hin, es konnte nicht weiter gelesen werden ohne einen gewissen Verlust an Wissen. Und das Mädchen hätte im Leben nicht ihren Grund herausgegeben. Nein. Der Gossenjunge, wie sie ihn so treffend genannt hatte, musste es selber heraus finden. Vorsichtig legte er das beschädigte Buch an die Wand und blickte das Regal hinauf. Sie reichten recht hoch, doch nach ganz oben wollte er nicht. Er würde vorsichtig hinauf klettern müssen um auf die gewünschte Sichtposition zu gelangen.

Die Regale waren lang und von beiden Seiten mit Büchern besetzt. Um Platz zu sparen gab es keine mittlere Wand, das hatte Hugin schon oft bemerkt. Damit die Bücher aber auch nicht all zu schnell heraus fallen gab es kleine Tritte von rund fünf Zentimetern.
Der Bursche konnte sich nicht erinnern, jemals ein Regal hinauf geklettert zu sein – zumindest eines voller Bücher. Jedoch gab es für alles ein gewisses erstes mal. Reichen würde das schmale Trittbrett allemal – war er doch schon anderes gewöhnt.
Vorsichtig griffen die Hände nach den hölzernen Brettern, bevor die nackten Füße folgten. Seine Schuhe hatte er zuvor bereits ausgezogen – wenn er kletterte dann lieber so nackt wie er es schon immer getan hatte. Seine Füße spürten so mehr was vor sich ging als in diesen Schuhen die er seit Shirga trägt. Flink und leise kletterte er das Regal hinauf, drei vier Bretter hoch bevor er sich versuchte an dem Brett fest zu halten und vorsichtig einige Bücher zu entfernen.
Er brauchte von der anderen nur zwei weitere dann würde er sicher sehen können was da vor sich ging.

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Beitragvon Reika » Mo 1. Aug 2016, 21:15

Na endlich! Alyria schnitt eine halb verächtliche, halb triumphierende Grimasse als der nervige Bengel ohne sie zu entdecken an ihr vorbeirauschte. Natürlich würde er sofort zum nächsten Lehrer rennen und den herbeiholen, also musste sie sich beeilen. Kaum dass die Trittgeräusche der Nervensäge verstummt waren, huschte sie in die mühsam eroberte Ecke und fischte einen Stapel Bücher aus dem untersten Regalfach. Wie sie früher festgestellt hatte saß eines der seitlicheb Regalbretter, welche die Bücher von der steinernen Gebäudewand trennten, locker. Alyria spähte noch einmal prüfend in den Gang - die Luft schien rein zu sein - schnappte sich dann das Brett, ruckelte einmal dran und zog das kurze Stück Holz raus. Dahinter verbarg sich etwas das wohl mal ein Rattenloch gewesen war, doch Alyria hatte dafür eine bessere Verwendung gefunden.
Ein beachtlicher Hohlraum zog sich hier nämlich durch die Wand, er war zwar nicht allzu breit aber dafür sehr lang, lang genug um alle möglichen Dinge darin zu verstecken. Die Jugendliche hatte im Laufe der Zeit einige Dinge zusammengetragen, unter anderem Geld, ein Messer, ein langes und robustes Seil und eine Karte. Und nun würde sich eine weitere Kostbarkeit hinzugesellen. Alyria zog aus ihrer Manteltasche ein kleines Tongefäß mit Deckel hervor, welches sehr sorgfältig mit einem Stück Schnur umwickelt und dadurch sicher verschlossen war. Das Gefäß enthielt eine schmierige Paste die aus verschiedenen Pflanzen bestand und den wunderbaren Effekt hatte, dass all die magischen Mitviecher Alyrias Witterung nicht aufnehmen konnten sobald sie sich mit dem Zeug einrieb.

Alyria schob das Gefäß in das Versteck, was sich gar nicht so einfach gestaltete da es gerade noch so in das Loch passte und ständig hängenblieb. Allzu grob durfte sie aber auch nicht dran ruckeln, aus Sorge es zu beschädigen und damit wochenlange Vorbereitungen zunichte zu machen. Alyrias Aufmerksamkeit ging immer wieder Richtung Gang, weil sie fast sekündlich damit rechnete dass irgendjemand vorbeikam. Doch ausnahmsweise schien sie Glück zu haben und es war niemand zu sehen.
Endlich war ihr Schatz im Versteck verschwunden und sie bugsierte das Brett wieder sorgfältig vor dem Loch, sodass dem unwissenden Betrachter absolut nichts ungewöhnliches daran auffallen würde. Dann die Bücher wieder ab ins Regal und fertig!
Erleichtert atmete Alyria aus und wollte den Tatort - sprich die Bibliothek - so schnell wie möglich verlassen, bevor doch noch jemand was mitbekam.
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Beitragvon Hugin » Do 6. Okt 2016, 20:41

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